Donnerstag, 8. Dezember 2016

Die drei ??? Kids

Du musst bescheiden sein und fleißig.“ Lennart Wiljes im Gespräch mit Boris Pfeiffer, einem der Autoren von „Die drei ??? Kids“


Boris Pfeiffer ist ein erfolgreicher Kinder- und Jugendbuchautor. Er hat über 30 Bände der bekannten Reihe „Die drei ??? Kids“ geschrieben und auch mehrere Buchreihen selbst erfunden und geschrieben (z. B. „Unsichtbar und trotzdem da!“, „Akademie der Abenteuer“ und „Das Wilde Pack“). 2017 wird ein neues Buch von ihm erscheinen. Es heißt „Die Unvollkommenen“. In vielen seiner Bücher gibt es neben der eigentlichen Geschichte eine ganze Menge mehr zu entdecken. Es geht dabei auch um Themen wie Freundschaft, Einsamkeit, Mitmenschlichkeit oder die eigene Identität.
Außerdem engagiert sich Boris Pfeiffer in unterschiedlichen Institutionen für die Verbesserung der Lesefähigkeiten von Kindern und hält oft und gerne Lesungen auf der ganzen Welt. Ich habe Boris Pfeiffer auf mehreren Lesungen kennengelernt, und er war so nett, mir ein paar Fragen zu beantworten.

Boris Pfeiffer
Wie sind Sie zum Bücherschreiben gekommen?
Das war ein Gemisch aus vielen Dingen, aus Fühlen und Gedanken. Ich sollte als Kind eigentlich ein Musikinstrument in der Schule lernen. Ich wurde dann auch von meinen Eltern auf Wunsch meiner Lehrer zum Klavierunterricht geschickt. Aber ich war unbegabt. Ich liebte es, Musik zu hören. Aber ich konnte keine Musik aus mir heraus bringen. Heute singe ich manchmal vor mich hin und schreibe auch sehr gerne Liedtexte für meine Musicals und Theaterstücke. Wenn ich diese Texte schreibe, dann singe ich sie mir innerlich auch vor. Aber mit den Fingern auf einem Klavier oder gar auf einer Geige komme ich nicht voran. Und ich habe auch theoretisch keine Ahnung von Musik.
Ich bin damals zum Jugendamt gegangen und habe dort vorgetragen, dass meine Eltern mich zum Klavierspielen zwingen. So habe ich erreicht, dass ich damit aufhören konnte. Ich fühlte das damals auch wirklich als Zwang. Stattdessen habe ich dann angefangen, oder eigentlich schon davor, und es dann ein wenig intensiver weiterbetrieben, Gedichte zu schreiben. Gedichte waren meine Musik. Und Sprache ist noch heute meine Musik.
Ich schreibe nicht, weil ich unmusikalisch wäre oder einen Ersatz für Musik suche. Ich schreibe Theaterstücke, Gedichten und Bücher, weil Schreiben meine Weltsprache ist, meine Art, an dieser Welt teilzunehmen. Und als Junge von etwa 13 Jahren habe ich erkannt, dass das Schreiben mir entspricht.

Warum schreiben Sie hauptsächlich Bücher für Kinder und nicht für Erwachsene oder Jugendliche?
Wahrscheinlich ist das gar nicht so. Ich habe als junger Mann ausschließlich für Erwachsene geschrieben. Und interessanterweise werden viele meiner Bücher auch heute von sehr vielen Erwachsenen sehr gerne gelesen. Ich habe Theaterstücke für Erwachsene gemacht, Hörspiele geschrieben, Gedichte für Erwachsene verfasst. Lediglich mein Erfolg als Autor ist über die Bücher für Kinder eingetreten. Meine Bücher und mein Schreiben für Kinder wurden in der Welt am stärksten wahrgenommen. So bin ich offiziell ein Kinderbuchautor geworden. Und ich schreibe und lese sehr gerne für Kinder.
Ich finde die Frage, warum jemand für Kinder schreibt, eigentlich auch etwas merkwürdig.
Warum sollte jemand nicht für Kinder schreiben? Warum sollte man eher für Erwachsene oder Jugendliche schreiben? Wenn ich mir diese Frage genau anschaue, dann verstehe ich sie nicht, ehrlich gesagt. Ich glaube, für Kinder muss man schreiben wie für Erwachsene, nur viel besser. Denn Kinder lassen einem nichts durchgehen.
Ich habe auch lange am Kindertheater gearbeitet. Am GRIPS Theater in Berlin. Ich habe dort Stücke inszeniert und geschrieben. Ich plane auch ein neues Stück für dieses Theater, zusammen mit einem Schauspieler, Jens Mondalski, in dem es um Lügen gehen wird. Alle Arten von Lügen.
Bosana: Pfeiffers erstes Stück für das GRIPS Theater
Ich glaube, dass Kinder ihre Autoren und ihre Autorinnen brauchen. Es muss Leute geben, die diese Unterscheidung zwischen Erwachsenen und Kindern nicht so rigoros machen, wie vielleicht die Berufs- und Arbeitswelt oder die Politik. Kinder sind schutzloser als viel Erwachsene. Es muss Menschen geben, die sich um die schutzlosen Wesen auf der Welt kümmern. Das können Kinder sein oder arme Menschen oder rechtlosen Menschen. Und es gibt sehr viele verantwortungsvolle Menschen, die sich der anderen gerne annehmen. Ich nenne hier einmal als Beispiel die Kids-Clubs der Fußballbundesliga, die sich um viele Kinder kümmern und bemühen, ihnen etwas zu geben. Ich nenne aber auch die Stiftung Fairchance oder die Berliner Schulpaten.
Auf unserer Welt geht es immer wieder um Gerechtigkeit und fehlende Gleichberechtigung.
Kinder leiden darunter. Sie leiden nicht unbedingt mehr als die Erwachsenen, die darunter leiden. Aber sie haben weniger Mittel, dagegen anzugehen. Und darum finde ich, wir sollten uns um die Kinder auf der Welt bemühen. Wir sollten Ihnen unser Bestes entgegenbringen. Ihnen eine Welt schaffen, die wir zusammen bestmöglich beleben können. Und ich glaube, das ist ein wesentlicher Teil meiner Arbeit.

Schreiben sie momentan an einem neuen Buch? Wenn ja, worum geht es?
Ja, ich schreibe an einem neuen Buch. Es geht um die Macht und die Schwäche der Vorstellungen und der Fantasie. Es geht um die Beeinflussbarkeit der Menschen und um den Kampf für Freiheit unserer Vorstellungen. Es geht auch um Graffiti, die lebendig werden. Und es geht um ein Mädchen, das aus dem Reich der Fantasie entführt wurde, um auf der Erde für die Macht einer skrupellosen Herrschaft missbraucht zu werden.
Das Buch heißt ‚Die Unvollkommenen‘ und wird höchstwahrscheinlich nächstes Jahr im Kosmos Verlag erscheinen.

Was haben Sie für Hobbys?
Ich habe keine klassischen Hobbys oder ich würde sie nicht so bezeichnen. Ich spiele aber sehr gerne Badminton, gehe sehr gerne wandern, liebe es, auf meinen eigenen Füßen durch die Welt unterwegs zu sein. Ich lese gerne, ich spreche sehr gerne mit Menschen, und ich liebe es, Orte zu sehen, an den ich zuvor noch nicht war.

Lesen Sie selber viel? Wenn ja, was?
Ich lese regelmäßig. Ich lese nicht sehr viel, weil ich am Tag nicht mehr als ein, zwei oder drei Stunden lesen kann. Ich lese Romane, analytische Berichte über die Welt, Einschätzungen von Lebensweisen, psychologische Bücher, historische Bücher, Zeitungen. Jeden Tag lese ich die Zeitung, mehrere Zeitungen, wenn ich Zeit dazu habe. Dazu Gedichte, ab und zu ein Bilderbuch, ab und zu ein Kinderbuch.
Ich lese sehr viele Mails, von sehr vielen Menschen, die mir schreiben. Ich lese gerne Sachbücher und ich lese sehr gerne Biografien und Autobiografien. Ich lese wirklich gerne. Ich denke mitunter, dass wenn ich alt bin und nicht mehr viel zu tun haben werde, dass ich dann nur noch spazieren gehen und lesen werde. Und natürlich mit meiner Frau zusammen sein.
Die liest noch viel mehr als ich. Und arbeitet auch noch mehr.

Wie lange schreiben Sie an einem Buch?
Diese Frage lässt sich nicht beantworten. Es gibt Bücher, dünnere Bücher, die ich in sechs Wochen geschrieben habe. Es gibt andere Bücher, meist dickere Bücher, die ich in sechs Monaten geschrieben habe. Und es gibt Bücher, über die ich zwei oder drei Jahre nachdenke und noch keine einzige Zeile zu Papier gebracht habe.

Wie viele Bücher schreiben Sie pro Jahr?
Auch diese Frage kann ich dir nicht beantworten. Ich habe in einem Jahr einmal zu viele Bücher geschrieben. Und danach habe ich mir gesagt, dass ich so viele Bücher in einem Jahr nie mehr schreiben würde. Habe ich auch nicht getan! Ich glaube, es waren damals fünf drei ??? Bücher.
Das war nicht gut. Das war zu viel. Ich habe das nie wieder gemacht und ich werde es auch nie wieder machen.
Ich schreibe immer genau so viel, wie meine Kraft und mein Wille und meine Vorstellung es zulassen. Ich schreibe das, was ich schreiben will. Aber es gibt keine Zahl, die das ausdrückt.

1. Band von Das wilde Pack
Was ist ihr persönliches Lieblingsbuch/Lieblingsreihe von ihren eigenen Büchern?
Nein, die gibt es nicht. Ich liebe nicht eines oder eine Reihe mehr als das oder die andere. Ich bin ungeheuer glücklich darüber, dass das Wilde Pack mittlerweile auf der Welt sehr viel berühmter ist als die drei ???.
Ich glaube, dass das Wilde Pack eine ganz eigene Kraft hat. Und ich freue mich, dass es in viele Sprachen übersetzt ist, dass in ein oder zwei Jahren ein Musical vom Wilden Pack in Shanghai aufgeführt werden wird.
Aber meinst du, ich würde deswegen meine drei ??? Bücher nicht mögen? Nein. Ich habe gerade ein Musical mit den drei ??? geschrieben, das nächstes Jahr in Stuttgart aufgeführt werden wird mit der wunderbaren Musik von Peter Schindler.
Ich liebe die Akademie der Abenteuer, die gerade auf Englisch übersetzt wird. Ich liebe das Wilde Pack, das gerade auf Spanisch und Englisch übersetzt wird. Ich liebe Unsichtbar und trotzdem da, Bücher, die von kaum jemandem gekannt werden und die trotzdem alle, die sie lesen, unglaublich lieben.
Ich liebe meinen neuen Roman. Und ich liebe meine alten Romane. Meine Bücher vergehen nicht. Sie leben in mir weiter und sie leben in den Menschen weiter, die sie lesen.
Es gibt kein Lieblingsbuch. Kein Mensch sollte ein einziges Lieblingsbuch haben. Es gibt immer mehr als ein Buch, das es wert ist gelesen, mitgelebt und durchdacht zu werden.

Haben sie außer Autor noch einen Nebenberuf? Wenn ja, welchen?
Nein, ich habe keinen Nebenberuf.

Woher kriegen Sie die Ideen für ihre Bücher?
Jedes Buch hat eine kleine Idee als Funken in sich. Irgendwo finde ich diese Idee. In einem Gespräch mit einem Menschen, bei einem Anblick von irgendetwas in der Welt. In einem Zeitungsartikel, in einem Traum.
Zu dieser Idee beginne ich mir Fragen zu stellen. Und dann beantwortet etwas in mir nach und nach diese Fragen und daran und aus diesen Antworten wächst die Geschichte. Und irgendwann ist sie so, dass ich sie aufschreiben kann.

Wie lange schreiben Sie pro Tag, und wie viele Seiten schaffen sie?
Das ist nicht immer gleich. Ich schreibe am liebsten am Tag 6-7 Stunden. Manchmal auch mehr, selten.
Ich schreibe gern am Morgen und ich schreibe gern am Abend. Und ich schaffe nie gleich viele Seiten. Es können zwei Seiten sein, es können aber auch drei Seiten sein und selten sind es auch einmal vier Seiten. Mehr Seiten sind es selten.
Schreiben ist kein schneller Prozess. Schreiben braucht Ruhe und Zeit.

Das Logo der Drei ??? Kids.
Würden sie den Beruf des Autors empfehlen? Und sind sie damit glücklich?
Ja, ich bin glücklich mit diesem Beruf. Für mich ist der Beruf des Autors ein reicher Beruf. Du weißt, ich halte auch sehr viele Lesungen, ich treffe Menschen, ich bereise die ganze Welt. Ich bin an Schulen auf nahezu allen Kontinenten der Welt gewesen. Ich bin in Deutschland unterwegs, wahrscheinlich in jedem Bundesland. Ich treffe Kinder, Bibliothekarinnen, Lehrer, gute Menschen aus Fußballvereinen, Leute, die für etwas einstehen, Menschen, die das Leben gestalten wollen. Dieses einsame Arbeiten am Schreibtisch und diese Treffen der Menschen mitten im Leben, das beides gehört zu meinem Leben dazu. Und dafür liebe ich diesen Beruf.
Ich bin diesem Beruf sehr dankbar. Ich bin meinen Büchern sehr dankbar, die mich so weit und so tief in die Welt bringen. Ja, ich kann diesen Beruf jedem empfehlen, der die Kraft hat und die Fantasie und den Willen zu schreiben und sich nicht entmutigen zu lassen. Es ist kein leichter Weg. Ich nehme an, kein Beruf ist ein leichter Weg. Es ist nicht so, dass man einfach schreibt und dann wird das alles gedruckt und man wird berühmt. Ich bin bis heute nicht berühmt. Meine Bücher kennen viele. Meine Bücher sind viele Millionen Mal verkauft. Und trotzdem kennt mich niemand. Jeder Fernsehspiele jeder Fußballer, alle, die im Fernsehen auftauchen sind viel, viel berühmter als ich. Kümmert mich das? Nein. Ich bin glücklich, wenn meine Bücher gelesen werden und die Menschen für ihr Leben bereichern. Das ist das beste.
Du musst bescheiden sein und tätig und fleißig, und bei dir selbst. Für alle, die das sein mögen, empfehle ich diesen Beruf, wenn sie Geschichten zu erzählen haben.


Fotos: http://www.borispfeiffer.de/

1 Kommentar:

  1. Sehr interessanter und Informationsreicher Artikel.

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